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04.02.2010 › Ravensburger Elternsurvey 2010: Familienzeit wichtiger als Geld

Viele junge Mütter und Väter denken und ver­halten sich anders, als allgemein erwartet wird. Ihre Lebensvorstellungen unterscheiden sich in wesentlichen Dingen (Finanzen, Vereinbarkeit von Beruf und Fa­milie, gemein­same Zeit für Kinder) von denen der Elterngeneration. In an­de­ren Dingen (Arbeits­tei­lung im Haushalt, Aufteilung der Berufszeit) bewegen sich heuti­ge Eltern vielfach in traditionellen Bahnen und sind keineswegs unzufrieden damit.

Die Haus­frau­­en­ehe hat aus­gedient. Die Einkommenshöhe ist für junge Familien we­ni­ger wichtig als gemeinhin angenommen. Dennoch steigt die Zu­friedenheit mit Ein­kommen und Ge­sund­heit. Groß­eltern spielen eine wichtige Helferrolle für die junge Familie – eine uner­war­tete Erkennt­­nis. Die meisten Kinder können in mehreren Haus­hal­ten des familiä­ren Netz­werks "aufwachsen". All dies ergab die erste Auswertung des "Ravens­bur­ger Eltern­sur­vey", eine reprä­sentative Analyse des "Elterlichen Wohlbefindens" in Deutschland.

Die Stiftung Ravensburger Verlag hatte den Mikrosoziologen Prof. Dr. Hans Bertram (Hum­boldt-Universität Berlin) und die Fami­lien- und Bildungsökonomin Professorin Dr. C. Katha­rina Spieß (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin und Freie Universität Berlin) mit dieser Elternum­frage beauftragt. TNS-Infratest Sozialforschung sicherte die Durch­­führung der Befragung mit erprobten Instrumenten. Die Stiftung förderte das For­schungsprojekt mit 300.000 Euro.

Erste repräsentative Ergebnisse für ein Well-Being-Konzept Die Auswertung der repräsentativen 70-minütigen Befragung von 1.000 Müttern und 1.000 Vätern – die mindestens ein Kind unter 6 Jahren haben – informiert nun umfassend über die familiäre und berufliche Situation von Eltern in Deutschland, ihre subjektiven und objektiven Zukunftserwartungen an Politik und Gesell­schaft sowie ihre Grundprinzipien und Wert­e. Eine Veröffentlichung mit den gesamten Ergeb­nissen soll Ende 2010 er­scheinen. Die Wissen­schaft­ler präsentierten in Berlin die wichtigsten Erkenntnisse des Pro­jekts:

Baby-Mutter soll zuhause bleiben

Junge Mütter und Väter wünschen sich ein dynamisches Modell für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Vor und nach der Kinderphase wollen sie beide ökonomisch selbstständig sein. Während des Aufwachsens der Kinder wollen Vater und Mutter (in Paarfamilien) Für­sorge für den Nachwuchs und Berufstätigkeit parallel verbinden – und zwar relativ zum Alter der Kinder. Etwa 40 % der Mütter und der Väter mit Kindern unter 3 Jahren meinen, die Mutter solle nicht erwerbstätig sein, Eltern von Kindergartenkindern meinen dies nur noch zu 10 % (Väter) und 8 % (Mütter). Wenn die Kinder zur Schule gehen, möchten 10 % der Mütter voll erwerbstätig sein, 60 % ziehen eine Teilzeitarbeit vor; die Väter denken ähnlich. Dazu erklärt der Mikrosoziologe Bertram: "Zunächst mag es erstaunen, dass junge Eltern so ein­deutig meinen, die Mutter solle zugunsten der Fürsorge ihre Berufstätigkeit einschränken. Dies ist aber durchaus eine rationale Entscheidung. Denn junge Frauen verdienen in Deutschland öfter als im europäischen Durchschnitt erheblich weniger als junge Männer."

Familienzeit gemeinsam verbringen

Junge Eltern legen Wert auf die gemeinsam mit den Kindern verbrachte Familienzeit bei Aus­flügen und Aktivitäten wie Geschichten vorlesen, gemeinsam spielen, Fernsehen. In finan­ziel­len Angele­genheiten und Erziehungsfragen wollen viele Eltern gemeinsam handeln. Bei ande­ren Aufgaben – zum Beispiel Wäsche waschen oder Reparaturen – folgt man eher tradi­tio­nel­len Geschlechterrol­len. Die Wissenschaftler Bertram und Spieß bezeichneten dieses Mus­ter "als Männlichkeit und Weiblichkeit auf der Basis von Gleichheit im Umgang mitei­nander".

Großeltern als Kinderbetreuer und Gesprächspartner

Der Alltag von Kindern findet nicht nur mit den Mitgliedern des eigenen Haushalts statt, Eltern verlassen sich stark auf soziale Netzwerke. Von den Großeltern nehmen sie nicht nur konkrete Hilfe an, z. B. bei Krankheit der Kinder oder während der Schulferien, sondern be­spre­chen öfter mit ihnen persönliche Probleme (häufigste Nennung neben dem Partner) als mit Freunden und Bekannten.

Akademikerinnen zufriedener als Mütter ohne Berufsabschluss

Mütter ohne Berufsabschluss sind mit ihrer Partnerschaft unzufriedener, während Väter ohne Abschluss bei kindbezogenen Dingen unzufriedener sind, berichtet die Familienökonomin Spieß. Akademikerinnen sind deutlich zufrie­dener als Mütter ohne Abschluss. Bei Vätern be­ein­flusst der Bildungs­stand nicht die Lebenszufriedenheit. Jedoch sind vollzeiterwerbstätige Männer zufriedener als nichterwerbstätige. Bei Müttern fällt dieser Faktor, wenn die allge­mei­ne Zufriedenheit betrachtet wird, kaum ins Gewicht, allerdings sind berufs­­tätige Frauen mit ihrer Arbeit und ihrem Einkommen in Teilzeit zufriedener als andere. Mütter in Paarhaus­hal­ten mit zwei Kindern hadern eher mit ihrer Lebenssituation als Mütter mit einem oder mehr als zwei Kindern. Nicht verwunderlich: Mütter mit vielen Kindern äußern sich unzufrieden mit Schlaf, Gesundheit, Freizeit. Ihre optimistische Einstellung steigt mit zunehmendem Alter des jüng­sten Kin­des.

Well-Being für Eltern – Mehr als Budget, Beruf und Bildung

Fazit: Das materielle Wohlbefinden, die Erwerbssituation und die Bildung der Eltern stehen oft im Zentrum der Diskussion um kindliche Entwicklungschancen. Weniger beachtet wird laut Ravensburger Elternsurvey das Zusammenspiel vieler Faktoren für die Zufriedenheit von Müt­­tern und Vätern als Voraussetzung für das Wohl der Kinder: Gesundheit, Persönlichkeit, Part­nerbeziehung, soziale Netzwerke, familienpolitische Maß­nahmen. Betrachtet man die Zustimmung der Eltern zu familienpolitischen Maßnahmen, so zeigt sich auch hier eindeutig, dass junge Eltern Maßnahmen favorisieren, die ihnen mehr Familienzeit einräumen.

Literatur: Hans Bertram / C. Katharina Spieß: Ravensburger Elternsurvey. Elterliches Wohlbefinden – Erwartungen, Voraussetzungen und Unterstützung der elterlichen Ressourcen für die Zukunft der Kinder. Erste Auswertungen (vorläufige Fassung) mit Grafiken und Tabellen. 74 Seiten Typoskript. Januar 2010. (Dazu gibt es auch eine zehnseitige Kurzfassung.)

Quelle: http://bildungsklick.de

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