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11.04.2008 › Mangelware Mann: An der Grundschule sind Männer eine Rarität

Wenn Michael Ritter morgens an seinen Arbeitsplatz kommt, muss er an manchen Tagen erst mal den Computer reparieren oder den Papierstau im Drucker beseitigen. Seine elf Kolleginnen bitten ihn darum. Ritter ist der einzige Mann im Team, und so fallen ihm solche Aufgaben nahezu automatisch zu.

"Ich bin praktisch qua Geschlecht zu diesen Aufgaben gekommen”, erzählt er. „Eigentlich kenne ich mich mit PCs gar nicht so gut aus, aber die Frauen fragen trotzdem immer mich. Sie selbst hängen offensichtlich auch noch alten Rollenbildern an."

Michael Ritter ist Grundschullehrer in Nordrhein-Westfalen. Der 39-Jährige gehört damit zu einer aussterbenden Spezies: Im Schuljahr 1990/91 unterrichteten noch ein Drittel Männer an Grundschulen, im Schuljahr 2006/07 ist der Anteil dagegen verschwindend gering. 86,9 Prozent der Lehrkräfte in der Primarstufe sind heute Frauen. An weiterführenden Schulen ist das Geschlechterverhältnis dagegen nahezu ausgeglichen.

Sonderstatus Mann

Die wenigen verbliebenen Männer an Grundschulen werden von Müttern und Vätern gerne mit dem Hausmeister verwechselt. Doch hat sich erst einmal herumgesprochen, dass ein Mann im Kollegium ist, sind viele Eltern begeistert. Sie stecken ihren Nachwuchs besonders gern in seine Klasse. „Wir hören an unserer Schule oft den Wunsch, dass ich mich um die wilden Jungs kümmern soll”, sagt Ritter. „Die Eltern glauben, ein Lehrer hätte sie besser im Griff als eine Lehrerin."
Sein Sonderstatus als einziger Mann ist dem Pädagogen gar nicht so unangenehm. In seinem Kollegium fühlt er sich wohl, das Klischee von vielen Frauen auf einem Haufen, die nicht miteinander zurechtkommen, kann er überhaupt nicht bestätigen. Gleichwohl war ihm bei Studienbeginn nicht klar, worauf er sich da einließ. In der eigenen Grundschulzeit war Ritters Klassenlehrer ein Mann, auch im Schulpraktikum zu Beginn des Studiums wurde er von Männern betreut.
Erst als Kommilitonen aus der männerlastigen Physikfakultät in den Vorlesungen für angehende Grundschullehrer auftauchten und die Veranstaltungen als Single-Börse nutzten, nahm er das Missverhältnis wahr: Im Hörsaal lag der Männeranteil bei höchstens 15 Prozent.
Trotzdem fühlte er sich nach ein paar Semestern BWL bei den Pädagoginnen besser aufgehoben. „Im Gegensatz zu den Wirtschaftsstudenten gab es im Lehramt viel nettere Leute”, sagt Michael Ritter. Und hier wusste er, wofür er studiert. „Jeder weiß, was ein Lehrer macht. Bei anderen Studiengängen ist das Berufsziel dagegen nicht so klar."

Berufung Lehrer

Früher verdiente er sich sein Taschengeld mit Nachmittagsbetreuung an der Hauptschule und Nachhilfe für Grundschüler. Da habe er gemerkt, wie viel Spaß ihm der Beruf macht. Lehrer sein ist Ritters Berufung. Doch von Freunden und Bekannten muss er sich immer wieder dumme Sprüche anhören: Warum er denn so einen lauen Halbtagsjob mache? Er wolle doch bestimmt mal Schulleiter werden, „nur” Grundschullehrer zu sein, dass reiche ihm doch bestimmt nicht aus, und das Einmaleins könne er ja auch nicht neu erfinden.

Den vollständigen Artikel finden Sie unter: www.sueddeutsche.de

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