Abstracts

Donnerstag, 15.09.2011

15:50 – 17.15 Uhr:

Jungen aus Rollenzwängen befreien. Prof. Dr. Thomas Fuhr (Pädagogische Hochschule Freiburg)

Abstract:
Ob über den Bildungserfolg von Jungen diskutiert wird oder über gewalttätige Jungen: immer wird die These vertreten, dass die Selbstbilder und Verhaltensweisen zumindest eines Teils der Jungen nicht mehr in unsere Zeit passen. Was wissen wir aber über die Konstruktionen von Männlichkeit bei Jungen? Was Männer betrifft, so unterscheiden wir beispielsweise zwischen traditionellen Männern, modernen Männern, zwischen diesen beiden Typen balancierenden Männern und den unsicheren, noch nach einem Männlichkeitskonzept suchenden Männern. Aber treffen solche Unterscheidungen auch auf Jungen zu?

Der Vortrag wird den Forschungsstand zu Unterschieden zwischen Konstruktionen von Männlichkeit bei Jungen darstellen. Es geht dabei sowohl um Kognitionen von Männlichkeit als auch um die Konstruktion von Männlichkeit in Interaktionen. Unter anderem werden Ergebnisse aus einer eigenen Studie vorgestellt, die erstmals, auf der Basis einer großen Stichprobe, Typen von Maskulinität bei Jungen quantifizierend unterscheidet. Es wird vorgestellt, welche Typen wir gefunden haben und wie die einzelnen Typen Männlichkeit auf einer Vielzahl von Dimensionen konstruieren. Abschließend wid diskutiert, welche Konsequenzen es für die Pädagogik hat, wenn wir uns von den Vorstellungen verabschieden, dass alle Jungen gleich seien oder es nur zwei Formen von Maskulinität gäbe, traditionelle und moderne.

17:30 – 19:00 Uhr

Ent-Dramatisierung von Geschlecht. Prof. Dr. Sebastian Schädler (Evangelische Hochschule Berlin)

Abstract:
In meinem Vortrag wird es um eine Diskursanalyse gehen: Worum geht es, wenn welche Akteure von „Entdramatisierung“ sprechen und warum spricht man jetzt davon? In Punkto praktische Jungenarbeit sind ja die Abfolgen der Adjektive bekannt: nach der antisexistischen, der parteilichen, der sensiblen, der reflexiven usw. nun also die ent-dramatisierende Jungenarbeit? Und theoretisch: nach den ent-biologisierenden, den ent-heterosexualisierenden, den ent-essentialisierenden nun die ent-dramatisierenden Konzepte?. Etwas salopp könnte man sagen: das im Tagungstitel genannte Ziel der „Vielfalt“ von Jungenarbeit ist im Hinblick auf die Art, wie wir darüber reden, schon erreicht.

Auffällig bei dem „neuen“ Stichwort der Entdramatisierung ist jedoch, dass es seinen Hauptaspekt einer speziellen medialen Form entnimmt, dem Drama. Ich werde insofern versuchen, den geschlechtertheoretischen Diskurs der Entdramatisierung mit medientheoretischen Einwürfen (in Form von Filmausschnitten) zum Stichwort „Drama“ zu konfrontieren und dann auf medienpädagogische Praxiskonzepte verweisen, die ich hier zunächst nur Ent[X]Dramatisierung nenne.

Freitag, 16.09.2011

9:30 – 11:00 Uhr

Intersektionalität und Jungenarbeit. Mart Busche (Dissens e.V.)

Abstract:
Eine intersektionale Perspektive geht davon aus, dass verschiedene Dominanzverhältnisse nicht nur nebeneinander existieren, sondern als höchst komplexe Geflechte aus Zugehörigkeiten, Identitäten und gesellschaftlichen Positionierungen bestehen. In solchen Dominanzgeflechten sind Menschen unterschiedlich von Diskriminierungen und Ermächtigungen, Privilegierungen und Deprivilegierungen betroffen, die sich situativ und je nach Umständen verändern oder verändert werden können. Männlichkeit oder weiße Hautfarbe gelten etwa als Kategorien, mit denen strukturell oder symbolisch einige Vorteile verbunden sind. Diese Vorteile können aber nicht automatisch genutzt werden, besonders dann nicht wenn sie mit Zuschreibungen verknüpft sind, die gesellschaftlich als weniger wertvoll angesehen sind (Homosexualität, Unsportlichkeit, Armut etc.). Auch der jeweilige Kontext ist bedeutend (z.B. Schulunterricht, heimliches Rauchen am Rande des Schulhofs, Reproduktionstätigkeiten zuhause) und erfordert je unterschiedliche (Selbst)Positionierungen, die widersprüchlich und konflikthaft sein können. Mit einer intersektionalen Perspektive ist der Anspruch verbunden, eine eindimensionale Sichtweise auf Männlichkeit zu überwinden und komplexe Verknüpfungen unterschiedlicher Faktoren zu erfassen, die im pädagogischen Alltag oft als Spannungsverhältnisse auftreten. Es geht darum, die Lebenswelt der Jugendlichen besser erfassen zu können, um dann ein pädagogisches Handeln danach auszurichten. Der Vortrag bietet eine Einführung in die intersektionale Analyse, stellt pädagogische Beispielsituationen vor und lädt ein zur gemeinsamen Reflexion intersektionaler Erweiterungen der eigenen Arbeit.

11:30 – 13:00 Uhr

Jungen in Schule. Anja Nold (Universität Tübingen)

Abstract:
In der Diskussion über Jungen in der Schule werden die Jungen vermehrt als die Bildungsverlierer dargestellt. Diese Bestandsaufnahme ist vor allem in den Medien und in der populärwissenschaftlichen Literatur zu finden. Der Vortrag stellt Forschungsbefunde vor, die einen differenzierten Blick zur Situation von Jungen in der Schule ermöglichen, und zeigt Chancen eines gendersensiblen Umgangs in Schule auf.

Samstag, 17.09.2011

09:30 -11.00 Uhr

Brauchen Jungen männliche Vorbilder? Dr. Erich Lehner (Universität Klagenfurt)

Abstract:
Dass Mädchen die Schule zunehmend erfolgreicher absolvieren als Jungen führte zu der besorgten Frage, ob nun nicht die Jungen als das benachteiligte Geschlecht anzusehen sind. Als Grund dafür wird vielfach die größere Präsenz von Frauen in der Erziehung angesehen, die in der Familie beginnt und sich in den Kinderbetreuungseinrichtungen und in der Grundschule fortsetzt. Diese Feminisierung der Erziehung biete Jungen – so wird gefolgert - wenig Möglichkeit zur Identifikation mit männlichen Bezugspersonen und mache es für sie schwer, eine männliche Identität zu entwickeln. Die Forderung nach mehr Männern in der Schule als „role models“ steht häufig am Ende der Debatte.
Dieser Vortrag möchte sich zunächst mit den Annahmen, die zu derartigen Überlegungen führen, kritisch auseinandersetzen. Danach soll der vielfältige und facettenreiche Prozess, in dem Jungen (und Mädchen) Männlichkeiten (und Weiblichkeiten) entwickeln, in den Blick kommen. In ihm spielen sozial-gesellschaftliche Kontexte eine große Rolle. Ohne Zweifel ist in diesem Prozess die Beziehung zu Bezugspersonen von fundamentaler Bedeutung. Aber ob bzw. in welchem Sinn man auch von einer Vorbildfunktion sprechen kann, soll in diesem Workshop bearbeitet werden.

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