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Diakonisches Werk

Das Diakonische Werk ist eingebunden in die ambulante sozialpädagogische Arbeit für jugendliche und heranwachsende Straftäter im Alter von 14 bis 21 Jahren des Landes Niedersachsen und bietet Betreuung und Beratung für junge Männer an.
Als Mitglied des Arbeitskreises Jungenarbeit im Landkreis Osterholz beraten die Mitarbeiter des Diakonischen Werkes Lehrkräfte zur Arbeit mit Jungen und nehmen an Schulprojekten mit entsprechender Thematik teil.

Kontakt
Diakonisches Werk
Frank Meyer
Kirchenstr. 5
27711 Osterholz-Scharmbeck
fon: 04791 80690
email: Frank.Meyer@evlka.de
Interview

Sie engagieren sich für eine gendersensible Jungenarbeit und machen Angebote speziell für Jungen. Wie kamen Sie dazu?

  • Im Rahmen von Bildungsarbeit mit Schulklassen zum Thema Sexualität Ende der 80er Jahre haben wir die Klassen nach Jungen und Mädchen getrennt. Die Frauen haben mit den Mädchen gearbeitet und wir Männer mit den Jungen. Daraus sind weitere Angebote entstanden und es gab immer wieder neue Ideen. Daneben war das arbeiten nur mit Jungen (oder eben nur mit Mädchen) für alle entlastend und hat zu neuen Erkenntnissen geführt, u.a. auch für die Jugendlichen.

Welche konkreten Angebote bieten Sie für Jungen an und welche Jungen erreichen Sie damit?

  • Unser Angebot richtet sich in erster Linie an jugendliche Straftäter im Alter von 14 bis 21 Jahren. Diese kommen nicht freiwillig sondern über eine gerichtlich angeordnete Auflage. Für uns steht im Vordergrund, den Jungen Raum zu geben aus ihrem Alltag erzählen zu können und dafür erhalten sie unsere volle Aufmerksamkeit. Ihre Themen sind: Vaterlos aufzuwachsen, Stress und Ärger mit anderen Jungen, mit der Mutter, mit Lehrerinnen und Lehrern, mit der Polizei, mit dem Jugendamt usw.. Unsere Themen die wir einbringen sind Eigenverantwortung, Konfliktkompetenz und die Sensibilisierung für die Grenzen der eigenen Person sowie für die Grenzen anderer.

  • So ist z.B. auch unsere Kifferberatung entstanden: Fast alle Jungen, mit denen wir zu tun haben verfügen mehr oder weniger über Drogenerfahrung. Dieser Teil ihres Alltags nimmt immer sehr viel Raum in den Gesprächen ein. So haben wir die Kifferberatung als ein eigenständiges Angebot speziell entwickelt. Dieses Angebot gilt freiwillig und wir arbeiten hier nicht mit Auflagen. Genutzt wird es fast ausnahmslos von männlichen Jugendlichen und es wird auch genutzt von Eltern, Müttern und Vätern.

Wie wurden Sie auf NEUE WEGE FÜR JUNGS aufmerksam?

  • Pressemitteilung und Artikel im „switchboard“.

Was sind die Vorteile der Netzwerkpartnerschaft, warum haben Sie sich dazu entschieden?

  • Neugier, wer, was an Jungenarbeit macht und anbietet. Zu sehen, dass den Jungen endlich die Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird, die sie verdienen.

Bieten Sie auch Jungenaktionen am Boys’Day – Jungen-Zukunftstag an oder planen diese?

  • Nein, u.a. fehlt mir die Aufmerksamkeit und die Wertschätzung gegenüber Jungen an diesem Tag, da sie nur im Zusammenhang mit dem Girls'Day gesehen werden. Das finde ich u.a. diskriminierend.

Wie unterstützen Sie Jungen, „neue Wege“ zu gehen, und wie sehen diese neuen Wege aus?

  • Die Jungen unterstützen, wenn sie dieses wollen! Wichtig für uns: Was wollen die Jungen? Was möchten sie erreichen/ verändern/ beginnen/ beenden? Ihre Entscheidungen respektieren. Ihnen Wertschätzung entgegen bringen. Ob die Wege immer neu sind weiß ich nicht immer, aber sie sind häufig anders als bisher. Es geht für mich in der Arbeit z.B. darum, dass Dinge, die man tut nicht einfach passieren, sondern man trifft eine Entscheidung, ob man etwas tut oder es nicht tut. Für die Jungen mit denen wir arbeiten ist es enorm wichtig, z.B. durch Ja-sagen eine Straftat zu begehen, zu zeigen, dass sie keine Angst haben. Ja-sagen wird als Stärke angesehen. Nein-sagen, „ich trau` mich nicht“, oder „ich mach das nicht“ ist für die Jungen viel schwerer und wird als Schwäche angesehen. Neu oder anders ist dann unser Blick, nämlich dass es Mut und Stärke erfordert, Nein zu sagen und das Gegenteil von Schwäche sein kann. Die Jungen verstehen, um was es geht und probieren das dann aus. Sie erzählen später, „ich habe nein gesagt“; „habe nicht mitgemacht“; „bin einfach weggegangen“. Sie merken, sie können nein sagen und merken ihren Stolz - und das finde ich wunderbar!

Vielen Dank für Ihre Mühe!

 
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